In den ersten Lebensjahren wird der Grundstein für das gesamte spätere Leben gelegt. Dieser ist entscheidend für die kognitive, soziale, emotionale und körperliche Entwicklung.
Die Gesundheit, die Lernfähigkeit sowie das soziale und das emotionale Wohlempfinden werden in dieser Phase maßgeblich geprägt. Die Gehirnentwicklung ist dabei besonders rasant: Pro Sekunde entstehen mehr als eine Million neuronaler Verbindungen.i
Babys entdecken ihre Umwelt, erwerben Hand- und Fingerfertigkeiten, lernen zu krabbeln und aufrecht zu sitzen. Auch das emotionale Lernen beginnt bereits in den ersten Monaten: Freude, Traurigkeit, Ärger und Angst drücken Babys noch ganz ohne Worte aus. Gleichzeitig lernen sie in den ersten zwei Lebensjahren viel über Emotionen im Miteinander. So erkennen sie beispielsweise die aufmunternde Stimme der Mutter und reagieren darauf.ii

Geboren in Armut
Doch für schwangere Frauen sowie junge Mütter in extremer Armut sind die Lebensumstände denkbar schlecht: Häufig fehlt der Zugang zu gesunder und ausgewogener Ernährung, medizinischer Versorgung oder zu pränataler Beratung. Das gefährdet nicht nur die Entwicklung des Kindes, sondern auch das Leben von Mutter und Baby.
In Burkina Faso ist eine der größten Herausforderungen für Mütter und Babys der Mangel an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln in ihren Haushalten. Viele liebevolle Mütter haben Schwierigkeiten, sich selbst oder ihren Kindern gerade dann nahrhafte Mahlzeiten bereitzustellen, wenn sie am dringendsten benötigt werden – in den frühen Lebensjahren. Die Folge: Babys sind oft mit Mangelernährung, niedrigem Geburtsgewicht, verzögertem Wachstum, Durchfall und anderen vermeidbaren Krankheiten konfrontiert.
„Wenn ich Familien zu Hause besuche oder im Kinderzentrum treffe, achte ich auf ihre Mimik“, erzählt Lea, eine Mitarbeiterin des Mutter-Kind-Programms von Compassion. „Wenn sich eine Mutter zurückzieht, oder ängstlich wirkt, weiß ich, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht hat sie eine Mahlzeit ausgelassen oder weiß nicht, woher sie die nächste Mahlzeit nehmen soll.“
Die Folgen von mangelnder Ernährung können dramatisch sein: Eine aktuelle Studie verdeutlicht: Jedes zehnte Kind kommt in Subsahara-Afrika mit einem zu niedrigen Geburtsgewicht zur Welt. Häufig sind unzureichende Ernährung und fehlende medizinische Betreuung während der Schwangerschaft dafür verantwortlich. Weltweit zählt ein niedriges Geburtsgewicht zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen nach der Geburt.iii

Die Ursachen hängen häufig mit struktureller Armut, mangelnder Bildung, Arbeitslosigkeit oder fehlender gesundheitlicher Betreuung während der Schwangerschaft zusammen.iv
Kindersterblichkeit in Subsahara-Afrika und Südasien
Weltweit sterben Millionen Kinder, bevor sie ihren fünften Geburtstag erreichen. Die Kindersterblichkeit ist in Subsahara-Afrika besonders hoch. Im Jahr 2023 starben dort laut Schätzungen 68 von 1.000 lebend geborenen Kindern vor dem fünften Geburtstag. Das Risiko, in dieser Region zu sterben, ist damit 14-mal höher als in Ländern mit hohem Einkommen.v Insgesamt ereigneten sich im selben Jahr rund 84 Prozent aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren in nur zwei Regionen: in Subsahara-Afrika (58 Prozent) und Südasien (26 Prozent).vi
Extreme Armut mit ihren Auswirkungen bedroht auch das Leben von schwangeren Frauen: Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2023 jeden Tag über 700 Frauen an vermeidbaren Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Über 90 Prozent dieser Todesfälle traten in Ländern mit niedrigem oder niedrig-mittlerem Einkommen auf. Die meisten Todesfälle hätten rechtzeitige medizinische Versorgung und umfassende Unterstützung verhindert werden können.
Wie Compassion Mütter und Babys unterstützt
Das christliche Kinderhilfswerk Compassion arbeitet deshalb eng mit lokalen Partnern zusammen, um gezielt schwangere Frauen, Mütter und ihre Babys zu unterstützen. Die Mütter werden von der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag ihres Kindes umfassend betreut.

Diese Unterstützung ist für die frühkindliche Entwicklung von Babys aus einkommensschwachen Familien von entscheidender Bedeutung. Eine gute Ernährung im ersten Lebensjahr ist für das körperliche und kognitive Wachstum unerlässlich.
„Wenn eine Mutter sich nicht gut ernährt, fehlt ihrer Muttermilch die Nährstoffe, die ihr Baby braucht“, erklärt Lea. „Deshalb versorgen wir Mütter regelmäßig mit Lebensmittelkörben, um ihre Ernährung zu verbessern und ein gesundes Wachstum ihrer Babys zu gewährleisten.“
Auch Nathalie nimmt mit ihrem Sohn Steeve am Mutter-Kind-Programm in Burkina Faso teil. Er ist elf Monate alt. Als Lea Nathalie zu Hause besucht, kommt sie nicht mit leeren Händen. Sie bringt ein großes Lebensmittelpaket mit. Steeve krabbelt über einen Sack Reis. „Die Lebensmittelpakete sind ein großer Segen“, erzählt Nathalie. „Dadurch kann ich auswählen, was ich koche: Reis, Porridge oder Spaghetti. Lea bringt uns nicht nur bei, wie wir uns ausgewogen ernähren können. Sie gibt uns die Zutaten dafür. Steeve entwickelt sich gut. Seine Lieblingsgerichte sind Spaghetti und ‚sagabo‘, ein lokaler Eintopf aus Maismehl.“
Die Mütter werden von den Compassion-Mitarbeitern vor, während und nach der Geburt begleitet. Sie stellen sicher, dass sie Zugang zu medizinischer Versorgung und Beratung haben. Darüber hinaus besuchen Mitarbeiter die Familien zu Hause und unterstützen sie bei Themen wie Stillen oder frühkindlicher Bildung. Die Mütter nehmen zudem im Kinderzentrum an Schulungen teil und tauschen sich mit anderen Frauen aus, die ebenfalls am Programm teilnehmen.

„Ich liebe die Schulungen und Treffen“, erzählt Lea. „Sie öffnen den Müttern die Augen für Dinge, die sie zuvor nicht wussten – etwa für die Bedeutung des Stillens und der richtigen Zubereitung von Gerichten. Viele Mütter glaubten früher, dass die erste Muttermilch nach der Geburt schädlich sei, und schütteten sie weg. Jetzt wissen sie, dass sie voller Nährstoffe für ihr Baby ist.“
Steeve entwickelt sich prächtig. Im Sand hinterlässt er hier seine ersten kleinen Fußspuren. Im Kinderzentrum liebt er es, auf den Trommeln zu spielen. Bald wird er seinen ersten Geburtstag feiern. Ein großer Meilenstein, denn die Säuglingssterblichkeit ist aufgrund von Krankheiten, schlechter Ernährung und Armut weiterhin hoch.
Die Wirkung des Mutter-Kind-Programms kommt nicht nur Nathalie und ihrem Sohn zugute. Sie betont: „Ich teile das, was ich lerne, mit anderen Müttern, die nicht am Programm teilnehmen. Ein Teil davon zu sein, ist ein Segen!“
So kannst du konkret unterstützen
Jedes Kind hat das Recht auf einen guten Start ins Leben. Sichere mit deinem monatlichen Beitrag von 55 Euro für 18 Monate einen Platz im Mutter-Kind-Programm in Äthiopien, Burkina Faso oder Sri Lanka.

