Im Patenschaftsprogramm der lokalen Compassion-Partnerkirche wurde Jimena mit sieben Jahren aufgenommen, nur ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters. Sie hat nur noch schwache Erinnerungen daran, aber sie haben sie geprägt. Es brachte Freude und Erleichterung. Ihre Mutter, Xiomara, arbeitete für die Kirche und vertraute darauf, dass Gott sie versorgt. Auch Jimenas ältere Schwester fand im Kinderzentrum der Partnerkirche von Compassion eine Anlaufstelle.
Vor den Türen der Werkstatt rauschen die Motorräder vorbei, Musik dröhnt aus den Ecken, Jugendliche lassen sich zu Alkohol und Drogen hinreißen. Im Kinderzentrum und in den Sonntagsgottesdiensten fand sie ein sicheres Umfeld – geprägt von Wärme und einer Menge Spaß. Sie wurde von den Mitarbeitern unterstützt, die an sie glaubten, lange bevor sie selbst an sich glaubte.

Durch die berufsbildenden Workshops im Kinderzentrum entdeckte Jimena ihre große Liebe zum Schweißen und zur Tischlerei. Sie wusste sofort, dass sie ihre Berufung gefunden hatte.
Der Geruch von Metall und das Dröhnen der Maschinen hätten andere vermutlich eingeschüchtert. Für Jimena wurde das zu einem Symbol der Widerstandsfähigkeit, ein Beweis dafür, dass sie ihr Leben selbst gestalten kann.
Ihre Mutter Xiomara lächelt: „Ich wusste, dass diese Workshops hauptsächlich für Männer gedacht sind, aber Jimena blüht darin einfach auf. Sie hat sich zunächst für den Schweißkurs und dann für den Tischlerkurs angemeldet. Nichts macht ihr Angst.“
Rein in die Werkstatt
Die Tischlerwerkstatt roch nach frisch geschnittene Kiefer. Sägemehl schwebte durch die Luft. Von den etwa einem Dutzend Schülern, die sich um die Bänke versammelten, waren nur drei Mädchen. Jimena führte bald alle an.

Der Kursleiter hatte Jimena im Blick. Nicht weil sie die Lauteste war, sondern weil sie intensiv zuhörte und jedes Detail aufnahm. Zu Beginn war es für Jimena herausfordernd, sie gab aber nicht auf und blieb dran.
„Zu lernen, wie man die Hand- und Stichsäge und andere Werkzeuge benutzt, war anfangs nicht einfach“, gibt sie zu. „Aber unser Kursleiter hat uns nicht nur beigebracht, wie man sie bedient, sondern wie man verantwortungsvoll damit umgeht, um Unfälle zu vermeiden.“
Bald schon setzte Jimena die Theorie in die Praxis um. Aber aller Anfang ist schwer: gesplitterte Kanten, klingende Hämmer, die Vibration der Säge, die sich durch das Holz kämpft. Ihre ersten Schnitte waren schief. Frustriert musste sie neu ausmessen.

„Als ich den perfekten Schnitt und die richtigen Maße beherrschte, machte mir das Zusammenbauen wirklich Freude“, erzählt Jimena.
Ihre erste Aufgabe schien einfach: Werkbänke bauen. Es war ein erster wichtiger Schritt, ein gutes Fundament, auf dem sie aufbauen konnte. Danach folgten komplexere Aufgaben: Küchenschränke, Wohnzimmerstände, Konferenztische oder sechseckige Bibliotheksregale.
„Dass wir uns mit dem Hammer auf die Finger geschlagen haben, passierte öfter“, lacht Jimena. „Nach monatelanger Übung hörten diese Fehler auf.“
Mit der Zeit beherrschte Jimena die unterschiedlichen Werkzeuge. Sie wirkten nicht mehr einschüchternd, sondern auf eine komische Art vertraut und tröstlich. Jedes Werkzeug lehrte sie etwas anderes: Präzision, Geduld oder Mut.
Mittlerweile sind die Räume des Kinderzentrums mit Werken von Jimena und den anderen Jugendlichen gefüllt. Maßgefertigte Regale, restaurierte Stühle mit Armlehnen, Tische, um die sich die Kinder setzen können, um ihre Hausaufgaben zu machen.
Neue Fähigkeiten, neue Möglichkeiten
Jimena und ihre Schwestern betreiben nun ein kleines Unternehmen, das Buchstaben und Zahlen für Geburtstage, Hochzeiten und Gemeindeveranstaltungen entwirft. Der Geruch der Farbe und das Summen der Spritzpistole vermischen sich nun mit dem Lachen der Kunden, die ihre Bestellungen abholen. Das Geschäft läuft gut und es gibt viele Aufträge.
Yuri, Leiterin des Compassion-Kinderzentrums, erklärt, wie all dies möglich wurde: „Unser Pastor hatte die Vision, Jugendlichen eine Berufsausbildung zu ermöglichen. Compassion unterstützte uns dabei, eine Partnerschaft mit dem regionalen Berufsbildungszentrum des Ortes einzugehen. Mit den vorhandenen Ressourcen haben die Kursleiter einfach einen Workshop für Schreinerei, Elektrik, Schweißen und Computer angeboten.“
Absolventinnen wie Jimena erhalten anerkannte Abschlusszertifikate, die Türen zu Arbeit und Selbstständigkeit öffnen. Für viele junge Menschen, die sich ein Studium nicht leisten können oder ihre Heimat nicht verlassen können, sind solche Abschlüsse lebensverändernd.
In ihren Briefen erzählt Jimena ihrer Patin Gabrielle von ihrem Weg in die Schreinerei. „Ich bin stolz darauf, ihr von allem zu erzählen, was ich gelernt habe. Ich bin so dankbar für ihre Unterstützung.“

Selbst zum Vorbild werden
Wenn Jimena bemerkt, wie sie von den jungen Teilnehmern beobachtet wird, denkt sie an ihre Anfangszeit zurück. Damals war sie es, die Yuri beobachtete. Von ihren ersten Tagen im Kinderzentrum hinterließ Yuri einen bleibenden Eindruck bei ihr. Sie bewunderte Yuris Entschlossenheit und ihr unermüdliches Eintreten für Kinder.
Jimena möchte einen ähnlichen Eindruck bei den jungen Menschen hinterlassen, die ihren Fußspuren folgen. „Habt keine Angst“, sagt Jimena zu ihnen. „Traut euch, alles im Leben zu lernen – auch Schreinerei. Seid selbstbewusst und betet um Kraft und die richtige Einstellung, es zu erreichen.“
Jimena wischt sich Staub aus dem Gesicht und lächelt. Jedes designte Holzstück ist einzigartig und symbolisiert die vielen Möglichkeiten – genau wir ihre Zukunft. Sie stellt sich eine größere Werkstatt vor, die sie zusammen mit ihrer Schwester besitzen und betreiben kann. Einen Ort, der erfüllt ist von frischem Holzduft und dem Summen der Maschinen. Einen Raum, in dem junge Mädchen spüren, was sie jetzt fühlt: dass alles – Träume und das Leben, immer wieder neugestaltet werden kann.
Bericht und Fotos: Juana Ordonez Martinez, Compassion Honduras

