
Dann kam ihm Biraj eine Idee – er wollte ein Geschäft gründen, indem er einen Kredit von den örtlichen Gläubigern aufnahm. Dass es riskant war, wusste er. Für ihn schien es keinen anderen Weg zu geben, um schnell auf die Beine zu kommen.
Er würde sich genug leihen, um sein Zuhause wieder aufzubauen. Er würde härter arbeiten, um seine Schulden wieder zu begleichen.
Wenn das Licht scheint
Der Wiederaufbau gelang mit dem geliehenen Geld, und schon bald erwartete Rupali, Birajs Frau, ihr erstes Kind. Für die beiden war es immer ein Traum, eine Familie zu gründen.

Trotz des Kredits und der Sorgen um die Rückzahlung glaubte Biraj, dass ein besseres Leben in Reichweite sei. Als Rupali im sechsten Monat schwanger war, wurde sie im Mutter-Kind-Programm des Compassion-Kinderzentrums aufgenommen. Kurz darauf fasste Biraj Mut, kündigte seinen Job auf den Teefeldern und eröffnete einen kleinen Lebensmittelladen in der Nähe seines Zuhauses.
Durch die Unterstützung, die Rupali durch die Teilnahme am Mutter-Kind-Programm erhielt, bekam sie monatlich Lebensmittel, um während der Schwangerschaft gesund zu bleiben. Im Kinderzentrum lernte sie viel über Gemüse, dessen Anbau und dessen Vorteile.
„Ich wusste nicht, dass schon einfache Schritte wie das Pflanzen von Bohnen eine gute Drainage brauchen, damit überschüssiges Wasser abfließen kann und die Wurzeln nicht verfaulen“, sagte Rupali. „Alles, was ich im Kinderzentrum gelernt habe, habe ich mit Biraj geteilt.“
Die regelmäßigen Infos zum Gemüseanbau inspirierten Biraj zu neuen Ideen, aber ihm waren die Hände gebunden. Der Lebensmittelladen kostete viel Arbeit. Auch die Kredite, die er für die Reparatur des Hauses aufgenommen hatte, lasteten immer schwerer auf seinen Schultern.

Schon bald kam die kleine Prokrity auf die Welt.
„Das ist unser kleiner ‚Lokkhi‘“, sagte Biraj. Lokkhi symbolisiert Reichtum und Glück. Prokrity war das erste Mädchen in der Familie unter Birajs Geschwistern, sodass die Familie mit großem Dank feierte.
Ein Jahr verging wie im Flug. Prokrity hielt die ganze Familie auf Trab. Rupali kümmerte sich um die Tochter, während Biraj jeden Tag im Lebensmittelladen war.
Doch sie blieben auf den Schulden sitzen. Egal, wie sehr sie versuchten, etwas Geld zu sparen – es funktionierte nicht. Biraj war verzweifelt auf der Suche nach einem anderen Weg. Er wusste, dass sich etwas ändern müsste, sonst würden sie ihre Schulden nie zurückzahlen.

Eines Tages kam Rupali aus dem Kinderzentrum angerannt – atemlos und mit einem Umschlag in der Hand. Erst schenkte Biraj dem, was sie in der Hand hatte, kaum Beachtung. Er nahm an, dass Prokrity frische Wechselkleidung bräuchte.
Rupali sah ihren Mann aufgeregt an, als sie ihm den Umschlag übergab. Verwirrt öffnet er den Umschlag und Handvoll Samen: Flaschenkürbis, Erbsen und roter Spinat.
Er begann, über sein ganzes Gesicht zu strahlen. Diese Samen könnten alles verändern! Tatsächlich erlebten sie viele positive Dinge.
Harte Arbeit und leise Träume
Ausgestattet mit den Samen aus dem Kinderzentrum und einem Hauch Hoffnung arbeitete Biraj härter als je zuvor. Am Vormittag arbeitete er im Lebensmittelladen, während Rupali die Hausarbeiten erledigte. Nachmittags ging er in den Gemüsegarten, den er gemietet hatte, um Gemüse anzupflanzen. In dieser Zeit kümmerte sich seine Frau um den Laden.

Nach kontinuierlicher und harter Arbeit sowie der richtigen Unterstützung geht es Biraj und seiner Familie gut. Da die Mitarbeiter des Kinderzentrums der Familie zur Seite stehen und ihnen Lebensmittelpakete zur Verfügung stellen, konnten Biraj und Rupali ihr Einkommen steigern.
Über das ganze Jahr kann Biraj nun, je nach Saison, Gemüse anbauen und somit für die Ernährung seiner Familie sorgen und zusätzliche Produkte im Laden verkaufen. Mittlerweile hat er ein weitaus konstanteres Einkommen, als er saisonal auf dem Teefeld erzielen könnte. Das zusätzliche Einkommen ermöglichte es ihm, seinen Laden zu erweitern und Betten für seine Familie zu kaufen.

Das Beste ist, dass er genug gespart hat, um die Kredite abzubezahlen. Die größte Last liegt hinter ihnen. Wenn er jetzt nachts wach liegt, denkt er über bessere Möglichkeiten für seine Kinder nach. Gemeinsam mit seiner Frau malt er sich oft die Zukunft seiner Tochter Prokrity aus und stellt sich vor, dass sie Ärztin werden könnte.
„Ich habe immer davon geträumt, Geschäfte zu machen. Ich wusste nicht, wie, als ich auf der Teeplantage gearbeitet habe“, erzählt Biraj. „Alles hat sich verändert, als meine Tochter in unser Leben kam.“ Durch die Unterstützung der Mitarbeiter erhält die Familie Lebensmittel und kann an Treffen und Schulungen im Kinderzentrum teilnehmen. Es ermöglicht der Familie, unabhängiger zu werden.
Da die steigenden Preise viele Menschen beeinträchtigen, möchte das Kinderzentrum Familien umfassend unterstützen, damit sie sich selbst besser versorgen können.

Als Birajs Familie sah, wie all ihre Habseligkeiten durch das Feuert zerstört wurden, gab ihnen die vielseitige Unterstützung neue Zuversicht. Jetzt trägt diese Hoffnung Früchte.
Bericht und Foto: J. Sangma, Compassion Bangladesch

