„Manchmal öffnet ein Lied Wege und Türen und stößt auf offene Ohren und Herzen“, erzählt Daniel Harter. Musik muss dabei keineswegs immer tiefgründig, traurig oder melancholisch sein, sondern darf auch Spaß und Freude machen. Doch manche Lieder sind mehr als nur nette Unterhaltung – wie „Tellerrand“.
Beim Lesen des Psalms 23 fasziniert Daniel Harter der „reich gedeckte Tisch“. Vor seinem inneren Auge fällt sein Blick auf den gefüllten Teller und den Becher, der randvoll ist. „Dieses Bild begeistert mich immer wieder neu. Es ist eine so grundlegende Botschaft der Bibel, dass Gott gut ist und uns beschenken möchte. Dies tut er auch, damit wir den Segen, den wir von ihm empfangen, an andere Menschen weitergeben können.“
Mein reich gedeckter Tisch
Einige Monate lebte er in Malawi im Süden Afrikas – einem der ärmsten Länder der Welt. Während seiner Zeit in Malawi hat er neu zu schätzen gelernt, was in Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden ist: fließend Wasser, eine Heizung, die im Winter aufgedreht werden kann, die Apotheke um die Ecke. „Hierzulande müssen wir uns wieder neu bewusst machen, dass das in vielen Teilen der Welt nicht die Norm ist“, betont Harter. „Da merke ich: Das ist mein reich gedeckter Tisch. Für mich hat das ganz praktisch mit Dankbarkeit zu tun. Wenn ich mir bewusst mache, dass mein Tisch reicht gedeckt ist, dann ist er auf einmal viel voller. Diesen Lebensstil möchte ich mir angewöhnen.“

Dass Menschen um das Nötigste kämpfen und Ungerechtigkeit ihren Alltag prägt, ist eine schwer auszuhaltende Realität, dessen ist sich Harter bewusst. Aber er hat auch Überraschendes entdeckt: „In Malawi bin ich einigen Menschen begegnet, die selbst nicht über sich gesagt hätten, dass sie arm sind oder zu wenig haben. Sie haben scheinbar nicht nur auf den Mangel geschaut, sondern auf das, was sie haben. Für sie war der Tisch reich gedeckt: reich an Familie, reich an Werten, reich an Freundschaften, reich an Frieden – was genauso Reichtum ist.“
Trotzdem bleibt die Frage: Warum lässt Gott solches Leid zu? Darauf gibt es keine einfachen Antworten. „Ich möchte jedoch erkennen, dass Gott mich hierhergestellt hat – vielleicht mit dem Ziel, dass ich für andere ein Segen sein kann.“ In einem reichen Land leben zu dürfen und an einem reich gedeckten Tisch zu sitzen, möchte Daniel Harter als Einladung verstehen – und Verantwortung übernehmen.
„In Jesaja 58 lesen wir, dass Gott es missfällt, wenn Menschen in diesem Unrecht leben. Gleichzeitig ruft Gott uns dazu auf, unseren Nächsten zu dienen. Und er verspricht uns: Wenn wir barmherzig handeln, erfahren wir selbst Heilung und werden gesegnet.“ Im Reich Gottes laufen die Dinge anders, vermutet Daniel Harter: „Paulus sagt: ‚Wenn ihr reichlich teilt, werdet ihr trotzdem nie zu wenig haben.‘ Wenn wir also teilen, haben wir am Schluss manchmal sogar mehr. Mathematisch ist das Unsinn, aber bei Gott scheint es zu funktionieren.“
Weltweit hat sich Kinderarmut in den letzten Jahren verringert, so Harter. Das Positive im Blick haben, auf das schauen, was schon alles passiert ist, sei wichtig, aber dort dürfe man nicht stehen bleiben. Seit vielen Jahren setzt er sich deshalb als Botschafter für das Kinderhilfswerk Compassion Deutschland ein. In seinen Musikgottesdiensten macht er auf die Not von Kindern in extremer Armut aufmerksam. Und lädt dazu ein, sich dem Anliegen von Compassion anzuschließen: Kinder aus Armut befreien im Namen Jesu.
Hin und wieder hat Daniel Harter jedoch den Eindruck, die Gesellschaft sei ein wenig müde geworden, sich für andere einzusetzen. Dabei will er keineswegs die Moralkeule schwingen. „Mit dem Lied ‚Tellerrand‘ möchte ich Menschen ermutigen, darauf zu schauen, was sie haben und zu entdecken, wie reich ihr Tisch gedeckt ist. Ich möchte ihnen nahebringen, dass Gott unser Guter Hirte ist und uns zu einem grandiosen Fest einlädt.“ Durch viele Begegnungen merkt er, dass Menschen ihr Herz fürs Teilen entdecken, wenn sie selbst erfahren, wie beschenkt sie sind. „Wenn Menschen verstehen, dass sie selbst Ehrengast bei Gottes Fest sein dürfen, verändert sich etwas in ihnen und sie sagen: Jetzt will ich meinen Tisch erweitern und Menschen einladen, dazuzukommen.“

Wo möchte Gott mich gebrauchen?
Über den eigenen Tellerrand zu blicken, ist unbequem. „Wo möchte Gott mich gebrauchen? Diese Frage kostet Mut“, betont Harter. Vielleicht braucht der Nachbar Hilfe bei der Gartenarbeit, und der beste Freund, braucht jemandem, der ihm zuhört. Vielleicht ist es auch an der Zeit, das Ehrenamt nicht länger aufzuschieben. Harters Wunsch ist es auch, dass Menschen im Glauben wachsen können und sie Gott auch mit ihren Finanzen vertrauen. Weil Gott uns mit Reichtum beschenkt hat, kommt damit auch ein Stück Verantwortung einher. Damit will Harter jedoch keinen Druck bei den Menschen auslösen.

„Ich will das Gute in die Welt tragen, egal, wo ich bin. Das versuche ich in meinen Gottesdiensten und auch in meinem Lied ‚Tellerrand‘ deutlich zu machen.“ Dort greift Daniel Harter auch das Jesus-Gleichnis eines Mannes auf, der zum großen Fest einlädt, jedoch von allen geladenen Gästen eine Absage bekommt. Daraufhin schickt er seinen Diener ein weiteres Mal los, mit dem Auftrag, alle einzuladen, denen er begegnet: „Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.“ (Lukas 14,21b)
„Dieser Mann hat über seinen Tellerrand geschaut“, betont Harter. „Als Vollzeitmissionar in Deutschland möchte ich das immer wieder tun und dorthin gehen, wo Menschen die gute Nachricht hören müssen. Ich möchte an die Hecken und Zäune gehen, nicht schweigend danebenstehen, sondern den Mund aufmachen und hier für Gerechtigkeit einstehen.“
Compassion möchte der Not von Kindern in Armut begegnen. Aktuell werden in Zusammenarbeit mit lokalen Kirchengemeinden über 2,3 Millionen Kinder in 29 Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien individuell begleitet und ganzheitlich gefördert.

