Was der morgige Tag jedoch bringen wird und wie sie ihre Familien versorgen sollen, bleibt oft ein Rätsel für Familien in extremer Armut. Das Geld ist einfach nicht da. Wenn Elizabeth davon spricht, dass Familien nicht genug Geld haben, meint sie: Nicht genug Geld, um eine kleine Hütte zu mieten, Lebensmittel zu kaufen, die Kinder zur Schule zu schicken oder Kleidung zu kaufen. Alle lebensnotwendigen Bedürfnisse sind knapp. „Deshalb sind sie ohnmächtig, kämpfen mit Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Und Menschen, die in extremer Armut leben, sind oft Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt.“
Den Alltag zu bewältigen, verlangt von allen Familienmitgliedern alles ab. „Wirklich alle, auch Kinder, die erst vier oder fünf Jahre alt sind. Sie werden dazu gezwungen, auf der Straße zu arbeiten und Dinge zu verkaufen, z. B. Kaugummi oder kleine Snacks.“ Manchmal zwingen die Lebensumstände dazu, auf die Straße zu gehen und zu betteln oder jede Art von Arbeit anzunehmen – nur um sich Essen für den Tag zu verdienen. „So versuchen sie zu überleben.“
Kinder sind immer die Leidtragenden. Das beginnt schon mit Vernachlässigung. Meist sind beide Elternteile bei der Arbeit und niemand kümmert sich um die Kinder. Die Eltern sind zu beschäftigt, um das tägliche Leben zu bewältigen.
Kinder sind auf sich allein gestellt, werden nicht begleitet, erfahren nicht die Liebe, die sie brauchen. „Kinder werden zur Arbeit gezwungen, obwohl sie eigentlich spielen und zur Schule gehen sollten. Stattdessen wird von ihnen erwartet, dass sie zum Einkommen der Familie beitragen. Das wirkt sich auf das psychische Wohlbefinden aus. „Ihnen wird nicht erlaubt, Kind zu sein. Sie können ihre Kindheit nicht genießen.“
Zwischen reich und arm
Die Unterschiede zwischen Familien und Kindern, die in einem wohlhabenden Land leben, und denen, die in einer von Armut geprägte Welt ums Überleben kämpfen, sind riesig. „Ich habe einmal gelesen, dass die Menschen in manchen Teilen Europas den Wert des Gebets für tägliche Bedürfnisse gar nicht sehen – für Dinge wie Essen oder Kleidung. Ich habe gelernt, dass medizinische Versorgung dort nur einen Anruf entfernt ist. Auf dieser Seite der Welt kennen wir so etwas nur aus Büchern.“

Menschen haben, so Elizabeth, nicht alles, was sie zum Leben brauchen. Menschen brauchen Unterstützung, um überhaupt Zugang zu den Grundbedürfnissen zu erhalten. „Man betet und muss für das tägliche Essen hart arbeiten. Wenn die Sonne morgens aufgeht und der Tag beginnt, wissen viele nicht, ob sie an diesem Tag überhaupt etwas zu essen haben werden. So ernst ist die Lage.“ Das Leben ist unvorhersehbar. „Auf dieser Seite der Welt haben Menschen nicht einmal das, was sie brauchen, um den Tag zu überstehen.
Gottes Sicht auf Familien
Elizabeth ist überzeugt: Familie ist aus Gottes Sicht heilig – ein Ort, an dem sein Wesen weitergegeben wird. „Er hat sie auf sehr sorgfältige Weise gestaltet, mit einer guten Anweisung, einander zu lieben, einander zu unterstützen und einander zu ergänzen.“ Gott schätzt Familie, und sie hat für ihn Priorität. „Aus ihr kommt die nächste Generation hervor. Alle Menschen sind nach seinem Bild geschaffen. Familie ist also der Ort, an dem dieses Bild Gottes vervielfältigt wird. Deshalb glaube ich, dass Gott Familie wertschätzt.“
Der Glaube innerhalb einer Familie spielt dabei eine zentrale Rolle. Durch den Glauben können wir mit Gott in Verbindung treten. Wenn man alles hätte, wäre doch alles vergeblich, wenn man keine persönliche, gute Beziehung zu unserem Schöpfer hätte. „Selbst Familien, denen vieles zum Leben fehlt, können durch einen starken Glauben Hoffnung finden.“

Es ist ungerecht: Manche Menschen bekommen ganz leicht das, was sie möchten. Andere wiederum müssen kämpfen, um überhaupt das Notwendigste zu erhalten. Elizabeth gibt Gott dafür nicht die Schuld. „Ich mache Gott keinen Vorwurf. Gott hat die Welt geschaffen, und hat Mann und Frau erschaffen. Er hat uns gesegnet, damit wir uns fortpflanzen. Zu Beginn gab es keine ungleiche Verteilung von Reichtum oder keinen ungleichen Zugang etwa zu medizinischer Versorgung. Es gab keine Diskriminierung aufgrund der wirtschaftlichen Lage oder der Staatsangehörigkeit. Aber wir leben in einer gefallenen Welt“, betont Elizabeth. In so einer Welt ist die Sünde allgegenwärtig. Habgier herrscht. Der Reichtum der Welt würde für alle Menschen ausreiche, so Elizabeth. „Es ist nicht Gottes Schuld, dass Menschen in so unterschiedlichen Lebensumständen leben müssen. Es ist unser menschliches System, das diese Unterschiede hervorbringt. Es ist eine Frage der Verteilung. Wenn wir den Reichtum der Welt gerecht verteilen würden, müssten wir niemanden leiden sehen.“
Aus Elizabeths Sicht hat Gott uns Regeln und Prinzipien mit auf den Weg gegeben. „Oft handeln Menschen gegen Gottes Prinzipien. Manche Menschen sammeln an, während andere nicht genug haben. Dieses Ungleichgewicht wird nicht von Gott verursacht, sondern von uns Menschen. Es ist nicht Gottes Schuld. So sehe ich das.“

