Im Norden Perus gehören Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit zum Alltag. Auch Marleni und ihre Familie haben damit zu kämpfen. An manchen Tagen gibt es Arbeit, an anderen Tagen nicht. Die Preise steigen weiter, und für Familien wie ihre fällt jede neue finanzielle Ausgabe ins Gewicht.
Das Leben ist für die vierfache Mutter ohnehin schon hektisch – und bald wird sie sich auch um ein Neugeborenes kümmern. Die Nachricht über die erneute Schwangerschaft machte ihr mehr Angst als Freude. „Das hatte ich nicht geplant. Es machte mich nervös“, sagt Marleni. „Mein jüngster Sohn ist noch jung.“
Während sie sich an den Gedanken, erneut Mutter zu werden, gewöhnen musste, brachte die Schwangerschaft auch neue Herausforderungen mit sich. „Mir war oft übel und ich war erschöpft. Ich dachte: ‚Jetzt muss ich ganz von vorne anfangen.‘ Ich habe mir Sorgen gemacht, wie ich meine Zeit aufteilen und trotzdem alle meine Kinder gleichermaßen versorgen würde“, sagt sie.
Zum Glück kam unerwartet Unterstützung.
Bei einem Treffen in der Schule ihrer Kinder hat sie sich mit anderen Müttern unterhalten. Sie erzählten, dass ihre Kinder regelmäßig das Compassion-Kinderzentrum der lokalen Kirche besuchen und dort umfassende und langfristige Unterstützung erhalten.
„Erst dort habe ich von dem Programm erfahren und das hat mich neugierig gemacht. Ich wollte auch Gott näherkommen. Ich sagte mir, wenn ich im Programm aufgenommen würde, werde ich daran teilnehmen. Kurz darauf kam jemand von der Kirche mich zu Hause besuchen, und ich habe mich angemeldet“, sagt Marleni lächelnd.

Das Mutter-Kind-Programm unterstützt gezielt schwangere Frauen sowie Mütter und Babys in extremer Armut vor und nach der Geburt bis zum ersten Geburtstag. Es war der Wendepunkt für Marleni.
Der Glaube war schon immer ein Teil ihres Lebens. Während Marlenis Schwangerschaft und durch die Unterstützung sowie Fürsorge der Mitarbeiter des Mutter-Kind-Programms wurde der Glaube für sie zu einer tiefen Quelle der Hoffnung und des Trostes.
Bald bekamen die werdenden Eltern die Nachricht, dass sie eine Tochter erwarten. Beide begannen, sich über das neue Leben zu freuen.
„Ich habe bei den Treffen im Kinderzentrum gelernt, dass unsere Babys uns sogar im Bauch zuhören. Ich sage meinem kleinen Mädchen, dass Gott mit ihr ist und uns am Tag ihrer Geburt Kraft geben wird“, sagt Marleni lächelnd. „Sie hat sich in meinem Bauch bewegt, als ich das gesagt habe, und ich wusste, dass sie reagierte.“
Durch das Mutter-Kind-Programm erhielt Marleni praktische Unterstützung für ihre Schwangerschaft, darunter Lebensmittelpakete und eine nötige Babyausstattung – eine wichtige Erleichterung in der schwierigen wirtschaftlichen Situation. Was sie jedoch am meisten überraschte, war die emotionale und geistliche Ermutigung, die sie von den Kirchenmitgliedern und Pastorin Socorro erhielt.
„Hier zu sein gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Pastorin Socorro ist für mich zu jemandem geworden, dem ich vertrauen kann. Mit ihr kann ich über meine Gefühle sprechen kann. Sie ist eine zusätzliche Unterstützung für mich und hilft mir, Jesus besser kennenzulernen. Wenn wir von Herzen zu Ihm beten, hört Er“, sagt Marleni.

Neben den Hausbesuchen von Pastorin Socorro und den monatlichen Lebensmittelpaketen nehmen die Mütter an regelmäßigen Treffen und Schulungen teil, erhalten prä- und postnatale Beratung sowie Zugang zu medizinischer Versorgung. Sie lernen ein Handwerk und sind Teil einer starken Gemeinschaft. Wenn die Mütter mit familiären Schwierigkeiten oder emotionalem Stress konfrontiert sind, können auch psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen.
Pastorin Socorro ist seit vier Jahren für das Mutter-Kind-Programm zuständig. Sie hat viele Mütter durch ihre Schwangerschaften begleitet und sie dabei, allen möglichen Herausforderungen zu begegnen. Sie hat gesehen, wie Mütter Selbstvertrauen entwickeln und neue Zuversicht, Hoffnung sowie Vertrauen gewinnen.
„Wenn ich Mütter besuche, sehe ich eine große Not. Es ist schwierig, weil sie oder ihre Ehemänner kein festes Einkommen haben“ betont Pastorin Socorro. „Unser Wunsch ist es, dass die Babys gesund zur Welt kommen. Die Mütter brauchen die Fürsorge, denn das, was sie erleben, wirkt sich auf ihre Babys aus. Viele von ihnen kannten die Bibel nicht, deshalb bringen wir sie ihnen näher. Wir möchten, dass sie wissen: Da ist jemand, der sie liebt und ihnen Wert schenkt.“
Das Leben ist für die Mütter und Familien nicht plötzlich einfach geworden. Marleni steht immer noch früh auf, bereitet Mahlzeiten zu, hilft bei den Schulaufgaben und sorgt sich um die Zukunft. Sie weiß, dass all das Herausforderungen mit sich bringt. Aber: Sie fühlt sich nicht mehr allein.

Ihre Wünsche für ihre Tochter sind einfach und zugleich tiefgründig: „Wir haben vielleicht keinen Reichtum, aber ich wünsche mir, dass alle meine Kinder zur Schule gehen, gute Werte entwickeln und Gott nahebleiben.“
Während sie auf die Geburt ihrer Tochter wartet, legt Marleni oft eine Hand auf ihren Bauch und betet, dass ihr kleines Mädchen gesund und stark zur Welt kommt. Diese Schwangerschaft mag unerwartet gewesen sein, und vielleicht hat sie Marleni damals verunsichert. Doch heute sieht sie vieles anders. „Ohne diese Unterstützung hätte ich immer noch Angst. Ich bin sehr dankbar für all die Hilfe, die ich bekomme“, sagt sie. „Möge Gott euch segnen und euch alle führen. Danke, dass ihr für uns da seid und auf uns achtgebt. Das ist ein Segen.“
Bericht und Fotos: Fernando Sinacay, Compassion Peru
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