Alles begann mit den ehemaligen Compassion-Patenkindern Yanti (30) und Endang (23), als sie auf der Suche waren, wie sie ihr Studium finanzieren konnten. „Unsere Väter waren damals krank, und unsere Mütter mussten hart arbeiten, um Essen auf den Tisch zu bringen. Gleichzeitig mussten wir unsere Studienkosten decken“, sagt Yanti.
Immanuel, ein Compassion-Mitarbeiter, brachte den beiden bei, wie sie durch eine Wertstoffbank Einkommen verdienen konnten. Das wirkte sich praktisch auf ihr Leben aus.
„Ich erinnere mich daran, dass ich 15 US-Dollar brauchte, um die offizielle Abschlussrobe zu kaufen. Das Geld dafür verdiente ich durch das Sammeln von Müll“, erzählt Yanti.
Von diesem Moment an wurde die Wertstoffbank zur Inspiration. Sie begannen, den Jüngeren im Kinderzentrum davon zu erzählen.

„Schäm dich nicht dafür, dass du Müll sammelst und deinen Garten aufräumst. Wenn wir alles tun, was in unserer Macht steht, wird es einen Weg geben“, sagt Yanti zu den jüngeren Kindern.
Die Früchte ihres Einsatzes sind auch in ihrer eigenen Familie sichtbar. „Ich wünsche mir, dass ich meiner jüngeren Schwester einen generalüberholten Laptop kaufen kann, damit sie das College selbstbewusst absolvieren kann“, erzählt Endang.
Neue Wege
Den Abfall und Müll im eigenen Garten zu stapeln, ist in einigen Orten in Indonesien nicht unüblich. Meist wird er einfach verbrannt. Für Fania und Marini symbolisiert der Müllhaufen Hoffnung. Die Schwestern retten gewissenhaft jeden Gegenstand, den sie finden können, und bringen ihn zur Wertstoffbank.
Fania ist 14 Jahre alt und möchte eines Tages Ärztin werden. Ihre Eltern arbeiten als Landarbeiter und haben kein stabiles Einkommen. Viele landwirtschaftliche Arbeitskräfte sind in der östlichen Provinz Indonesiens jedes Jahr langen und unvorhersehbaren Dürren ausgeliefert. Im Westen Indonesiens sind die Trockenzeiten hingegen vorhersehbarer und deutlich kürzer.

Diese Unsicherheit hat sie gelehrt, jeden möglichen Dollar zu sparen, um ihre wirtschaftliche Stabilität und Widerstandsfähigkeit zu stärken. Deshalb sammeln Fania und Marini Müll und bringen ihn zur Wertstoffbank. Innerhalb einer Woche verdient sie damit rund einen US-Dollar. Mittlerweile hat sie bereits 15 US-Dollar gespart.
„Im Kinderzentrum haben sie uns beigebracht, wie wir richtig sparen und unser Geld nicht für Dinge ausgeben, die keine Rolle spielen“, erzählt Fania.
Dort lernte Fania auch, welche Abfälle wertvoll sind, welche nicht, und sie in Kunststoff, Papier und Metall zu unterteilen. Compassion-Mitarbeiter Immanuel hat sein Wissen aus seiner vorherigen Tätigkeit mit den Kindern und Jugendlichen geteilt. Er war es, der den Wertstoffhändler aus der nächstgelegenen Stadt mit dem Kinderzentrum in Verbindung brachte.
Da viele Menschen in der Region kulturelle Zeremonien und Veranstaltungen abhalten, wird eine Menge Abfall produziert. Darüber hinaus zählt die Provinz zu den ärmsten des Landes.
Mit dieser Initiative der Wertstoffbank lernen die Menschen Schritt für Schritt, sich um die Umwelt zu kümmern und gleichzeitig finanziell davon zu profitieren. Neben den Kindern und Jugendlichen des Kinderzentrums profitieren auch die Gottesdienstbesucher und die Nachbarschaft von der Wertstoffbank.
„Die Herausforderung besteht darin, die Einstellung der Jugendlichen zu verändern. Sie betrachten das Sortieren von Abfällen als schmutzige Arbeit. Aber tatsächlich, wenn wir es konsequent tun, kann es sich lohnen“, erklärt Yanti.

Zukunft mitgestalten
Für viele Bewohner ist sie noch ungewohnt, obwohl die Wertstoffbank bereits seit drei Jahren in der Nachbarschaft existiert. Die Kinder und Jugendlichen des Kinderzentrums sind jede Woche dazu eingeladen, beim Sortieren des Abfalls zu helfen. Gemeinsam beginnen sie mit einem Gebet, bevor sie mit der Arbeit loslegen. Doch dann wird miteinander geredet und gelacht, während sie den Müll sortieren.
„Es gibt auch Kinder, die fleißig Müll auf Veranstaltungen, Zeremonien und in ihrer Nachbarschaft einsammeln. Wir bewundern ihren Einsatz! “, so Yanti. Dieser Gemeinschaftsgeist ist ein weiteres positives Ergebnis des Projekts. Es beeindruckt auch die älteren Generationen, wie die Menschen nun zusammenkommen.
Die ehemaligen Compassion-Patenkinder, Yanti und Endang, sind mittlerweile verantwortlich für die Wertstoffbank. Sie sind diejenigen, die die Bücher führen, den Müll sortieren und ihre Nachbarschaft einladen, durch den Abfall neue Perspektiven für Familien zu schaffen.
Fotos und Bericht: Hutama Limarta, Compassion Indonesien


