09.10.2020 |

Vom Schuhputzer zum Compassion-Landesdirektor

Als Menschen freuen wir uns an guten Nachrichten – umso mehr in dieser unsicheren Zeit, in der viele von uns sich Sorgen machen. Positive Geschichten. Freude und Hoffnung.

Heute möchten wir eine dieser Geschichten mit dir teilen. Es geht um einen Jungen, in dessen Leben viele Menschen eine wichtige Rolle gespielt haben. Ein Junge, der im Namen Jesu dem Kreislauf der Armut entkommen ist und jetzt eine bemerkenswerte Arbeit leistet: Tony Beltran, der im Alter von 7 Jahren Schuhputzer war und heute Landesdirektor von Compassion in der Dominikanischen Republik ist.

Die Lügen der Armut

Tony wuchs in Armut auf – aber er wusste es nicht. Erst als er eines Tages etwas Geld brauchte, um einen Stift zu kaufen. Er ging in sein Haus und fand seine Mutter auf den Knien…

„Herr, wir haben nichts zu essen. Wir haben nichts außer dir, oh Herr“, betete sie.

An diesem Tag erkannte Tony, dass seine Familie arm war. Alles ergab Sinn. Er verstand, warum seine Familie kein fließendes Wasser hatte. Warum er nicht jedes Jahr einen neuen Rucksack für die Schule hatte. Warum es manchmal nicht genug zu essen gab. Und an diesem Tag begannen sich die Lügen der Armut einzuschleichen.

Die Armut sagte Tony: „Du bist wertlos.“ Sie sagte ihm: „Gott kümmert sich nicht um dich.“ Und sie fragte Tony: „Ist die Armut, in der deine Familie lebt, nicht sogar deine eigene Schuld?“

„Die Armut versuchte, mich Theologie zu lehren – sie sagte mir, dass Gott zwar die Macht habe, meine Situation zu ändern, dass er sich aber nicht genug für mich interessierte, um etwas zu ändern“, sagt Tony.

Im Alter von 7 Jahren begann Tony zu arbeiten, um für seine Familie sorgen zu können. Er lief in seiner Nachbarschaft herum und putzte den Leuten die Schuhe. Dann begann er Dinge wie Maisbrot, Süßigkeiten, Popcorn auf der Straße zu verkaufen. Während andere Kinder spielten, arbeitete Tony hart, um Geld für seine Familie zu verdienen.

Das Leben schien hoffnungslos.

Wahrheit gegen die Lügen

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Trotz der Dunkelheit, die Tony erlebte und der Lügen, die ihm erzählt wurden, gab es Hoffnung. Denn als Kind wurde Tony im Compassion-Kinderzentrum in seinem Stadtteil aufgenommen. Und dort veränderte sich alles …

„Im Compassion-Kinderzentrum war alles anders“, sagt Tony. „Es gab Spiele, die ich spielen konnte. Ich fand dort Freunde. Und ich liebte die Freitage – denn freitags gab es immer Brathähnchen.“

Durch das Compassion-Programm baute Tony Beziehungen zu Menschen auf, die die Wahrheit gegen die Lügen der Armut sprachen – die ihn bestärkten und ihm Hoffnung für die Zukunft gaben. Menschen wie seine Paten.

In den ersten sieben Jahren, in denen Tony am Compassion-Programm teilnahm, hat er nie einen Brief von seinem Paten bekommen. Aber als er 14 Jahre alt war, übernahm eine neue Familie die Patenschaft für ihn. Sie waren sehr engagiert, schrieben ihm ermutigende Briefe und investierten so in sein Leben.

Und sie stellten ihm eine Frage, die sein Leben verändern würde: „Wie dienst du im Kinderzentrum?“

Zu dieser Zeit nahm Tony regelmäßig am Programm des Compassion-Kinderzentrums teil, hatte dort aber keine Aufgaben übernommen. Aber die Frage seiner Paten motivierte ihn, die Leiterin des Kinderzentrums zu fragen, wie er helfen könne. Sie wusste, dass Tony gut mit Computern umgehen konnte, also bat sie ihn, anderen Kindern beizubringen, wie man einen Computer benutzt. Und Tony tat es.

Als Tony seinen Paten davon erzählte, dass er andere Kinder im Zentrum unterrichtete, schrieben sie zurück: „Tony, wir sind so stolz auf dich. Es ist toll, dass du in deinem Alter bereits anderen den Umgang mit dem Computer beibringst.“

Auf diese Weise bekam Tony die Worte der Liebe und Wahrheit, die er brauchte. Er begann, sich immer mehr im Kinderzentrum zu engagieren. Und dadurch wurde die Verbindung zu Menschen gestärkt, die Wahrheit in sein Leben brachten. Wie die Leiterin seines Kinderzentrums, die ihm weitere Gelegenheiten gab, sich einzubringen. Und sein Pastor, der ihn einlud, bei der Gründung einer Gemeinde in einem anderen Stadtviertel zu helfen.

„Inmitten der Stimmen der Armut schickte Gott mir viele Menschen, die eine andere Botschaft für mich hatten“, sagt Tony.

Nicht mehr eingeschüchtert von Armut

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Als Tony älter wurde, sagte ihm seine Mutter, dass sie wollte, dass er auf die Hochschule gehe. Zuerst lachte er. Wie sollte das möglich sein? Er war der einzige in seiner Familie, der arbeitete: „Wenn ich nicht arbeitete, aß meine Familie nicht“, sagt Tony. „Aber Gott öffnete die Tür durch Compassion International und so bekam ich die Gelegenheit.“ Tony konnte die Hochschule besuchen und einen Abschluss in System- und Anlagentechnik erwerben.

„Als ich 7 Jahre alt war, putzte ich Schuhe auf der Straße. Als ich 14 war, reparierte und montierte ich Computer. Und als ich 23 war, war ich bereits IT-Manager für eine Gruppe von Unternehmen im Osten der Dominikanischen Republik“, sagt Tony. „Warum? Weil jemand beschloss, mich zu fördern und in mein Leben zu investieren. Weil jemand beschloss, selbst Opfer zu bringen, um mir Chancen zu geben.“

Aber das ist noch nicht alles. Später konnte Tony noch einen Master-Abschluss in Theologie und Jüngerschaft erwerben. Er heiratete eine unglaubliche Frau – ebenfalls Absolventin des Compassion-Programms – die Ärztin ist, mehrere Sprachen fließend spricht und je einen Master in Biochemie und Krankenhausmanagement hat.

Heute ist Tony Landesdirektor von Compassion in der Dominikanischen Republik

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Jetzt ist er derjenige, der Hoffnung in das Leben von Kindern und Jugendlichen in Armut spricht.

„Ich glaube, Gott hat viele Menschen um mich gestellt, um mich zu ermutigen und die Lügen der Armut zu bekämpfen“, sagt Tony. „Ich höre die Stimmen der Armut immer noch. Aber in all diesen Jahren habe ich Gott durch verschiedene Menschen erfahren, die in mein Leben investiert haben, und die Armut schüchtert mich nicht mehr ein.“

Mit der Unterstützung seiner Familie, seiner Paten und der Mitarbeiter im Compassion-Kinderzentrum – zusammen mit seinem Vertrauen auf Gott – war es Tony Beltran möglich, dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

Tonys Leben, seine Freude, seine Ausdauer – das alles gibt uns so viel Hoffnung.

Unser Gebet ist, dass seine Geschichte das Gleiche für dich tut.

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