22.03.2021 |

Weltwassertag 2021

Sauberes Wasser für Rehemas Familie – wie ein Regenwasserspeicher ein ganzes Dorf versorgt

Leuchtend gelbe Kunststoffkanister sind in Baringo (Kenia) allgegenwärtig: Frauen und Kinder tragen sie auf dem Kopf oder auf den Rücken geschnallt. Baringo liegt tief im Afrikanischen Grabenbruch in Kenia, wo die Hitze so groß sein kann, dass es in den sengenden Strahlen der Sonne tagsüber kaum auszuhalten ist.

Doch trotz der hohen Temperaturen machen Frauen und Kinder sich täglich auf den Weg, um Wasser zu holen. In dieser Umgebung lebt Rehema. Die Achtjährige wurde 2016 in das Patenschaftsprogramm von Compassion aufgenommen. Als Mädchen in Baringo aufzuwachsen bedeutet, dass eine ihrer Aufgaben darin besteht zum Fluss zu laufen, um Wasser zu holen. An einem guten Tag muss sie etwa zwei Kilometer laufen. Doch wenn das Wasser knapp und schwer zu finden ist, kann es einen Weg von fünf bis zehn Kilometern bedeuten – täglich.

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Am Fluss müssen die Menschen warten, bis die Kühe, Ziegen und Schafe sich satt getrunken haben. Das kann den ganzen Vormittag dauern. Wenn die Tiere getrunken haben, ist das Wasser oft schmutzig und voller Krankheitserreger. Zudem ist der Wasserstand in den Flüssen saisonabhängig. In der Trockenzeit müssen Brunnen bis zu zwei Meter tief gegraben werden, um das Wasser zu erreichen.

Die Frauen und Kinder, die den ganzen Morgen damit verbringen, Wasser aus diesen verseuchten Brunnen und Wasserlöchern zu holen, werden oft krank und leiden an den Folgen der Krankheiten.

„Die Kinder klagten immer über Bauchschmerzen und als wir sie ins Krankenhaus brachten, wurde uns gesagt, dass es an dem Wasser liegt, das wir trinken“, sagt Rehemas Mutter.

Angesichts dieser täglichen Herausforderungen wurde Rehemas Kinderzentrum 2018 aktiv. Mit der Unterstützung durch einen Compassion-Hilfsfonds wurde eine Initiative zum Sammeln von Regenwasser begonnen.

„Wasser ist ein rares Gut für die Familien, die um das Kinderzentrum herum leben. Auch wir im Kinderzentrum hatten damit zu kämpfen, da das verfügbare Wasser eingeteilt werden musste und nie ausreichte. Durch den Wassermangel konnten die üblichen Aktivitäten im Kinderzentrum manchmal nicht durchgeführt werden“, sagt Wilberforce, Sozialarbeiter der Compassion-Partnerkirche.

Jährlich fallen in Baringo 964 Millimeter Niederschlag. Durch das Sammeln dieses Regenwassers ist das Kinderzentrum in der Lage, genügend Wasser für die Kinder, die Familien, das Kinderzentrum und sogar weite Teile des Dorfes bereitzustellen. Anfang Januar 2020 wurde daher mit dem Bau eines 100.000 Liter fassenden unterirdischen Speichertanks begonnen. Das Regenwasser von den umliegenden Dächern fließt in den Tank, der dann in einen 10.000-Liter-Hochbehälter gepumpt wird. Seine Fertigstellung erleichtert Kindern wie Rehema, ihrer Familie und vielen anderen den Alltag enorm.

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Die Wasserversorgung kam zur rechten Zeit und war ein echtes Gottesgeschenk für das ganze Dorf. Sie wurde während der COVID-19-Pandemie in Betrieb genommen, als Hygiene und Händewaschen wichtiger waren als alles andere. „Beim Wasserholen im Kinderzentrum sind die Kinder nicht so gedrängt, wie sie es am Fluss gewesen wären“, sagt Rehemas Mutter.

Für die Wiederaufnahme der Gottesdienste ermöglicht der Zugang zu sauberem Wasser eine unkomplizierte Umsetzung der Hygienevorschriften.

„Gerade jetzt, wo wir uns noch häufiger die Hände waschen müssen, sind wir froh, genügend Wasser zu haben, um Handwaschstationen zu betreiben“, sagt June, Leiterin des Kinderzentrums.

Mit Unterstützung der Gesundheitsbehörde von Baringo wurden die Eltern der Kinder im Händewaschen und weiteren Hygienemaßnahmen zum Schutz vor COVID-19 geschult. Der Zugang zu sauberem Wasser ermöglichte es den Eltern sogar, mit Hilfe von Kanistern einfache Handwaschstationen zu Hause einzurichten. Durch eine einkommensfördernde Maßnahme für Eltern konnte das Kinderzentrum zudem Seife für alle Familien bereitstellen. Außerdem plant das Kinderzentrum Wasser an Händler zu verkaufen, um mit dem eingenommenen Geld die Eltern unterstützen zu können, die wegen COVID-19 ihre Arbeit verloren haben.

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Die kleine Rehema braucht nun keinen langen Weg mehr zurücklegen, um Wasser zu holen, das sie letztlich krank macht. Durch das jederzeit verfügbare saubere Wasser im nahe gelegenen Kinderzentrum hat sie heute mehr Zeit für die Schule und zum Spielen. Rehema liebt Seilspringen. Wenn sie ihrer Mutter bei der Hausarbeit geholfen hat, nimmt sie voller Freude ihr Springseil in die Hand, um in der Sonne zu spielen. Der Regen, der früher unbeachtet im Boden versickerte, wird heute nachhaltig genutzt, was das Leben der Kinder und des ganzen Dorfes verändert hat.

Bericht und Bilder: Kevin Ouma, Compassion Kenia

Der ungehinderte Zugang zu sauberem Trinkwasser, einem Waschbecken und einer vernünftigen Toilette ist in vielen Ländern der Welt nicht selbstverständlich. Der heutige Welttag des Wassers macht unter anderem darauf aufmerksam. Compassion möchte die Patenkinder in den Kinderzentren mit sauberem Wasser versorgen – was nicht nur die Gesundheitssituation erleichtert, sondern auch die Bildungschancen für Mädchen verbessert – und letztendlich Würde herstellt.

Der Compassion Hilfsfonds „Sauberes Wasser“ ermöglicht den Bau von Brunnen, Wasserspeichern, Trinkwasseranlagen und Toiletten in den Kinderzentren unserer Partnerkirchen. Möchtest du Kinder aus ärmsten Familien mit sauberem Wasser unterstützen?

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