10.04.2020 |

Warum Menschen in Armut anfälliger für Covid-19 sind

alt="Menschen_during_Covid_19_Compassion_Deutschland"

Weltweit werden große Anstrengungen unternommen und viele Opfer gebracht, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Aber in vielen Ländern und Regionen, in denen Compassion arbeitet, sind Präventionsmaßnahmen schwieriger. Für Menschen in extremer Armut hat ein Einkommensverlust zudem deutlich schwerere Folgen als bei uns.

Die folgenden vier Punkte verdeutlichen, warum Menschen in Armut anfälliger für eine Pandemie sind:

1. Die Schwierigkeit, soziale Kontakte einzuschränken

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, einen Abstand von mindestens 1 Meter zwischen sich und jedem, der hustet oder niest, einzuhalten. Nach den Verhaltensregeln des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) sollen mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen eingehalten werden.

Menschen in Armut leben oft auf engstem Raum und teilen ihr Zuhause mit vielen Familienmitgliedern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass drei Generationen oder eine Großfamilie sehr eng zusammen unter einem Dach leben. Das macht das Reduzieren sozialer Kontakte, insbesondere zu älteren oder kranken Angehörigen, nahezu unmöglich. Auch von ihrer Tradition und Kultur her leben und arbeiten die Menschen in ihren Gemeinden und Dörfern in engem Kontakt mit ihren Nachbarn.

2. Herausforderungen beim Händewaschen und anderen Hygieneempfehlungen

Das Robert-Koch-Institut und die WHO empfehlen das regelmäßige Händewaschen und angemessene Hygiene, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Hygiene ist eine Herausforderung für gefährdete Personen, die keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser haben, ganz zu schweigen von Seife, Taschentüchern, Reinigungs- und Handdesinfektionsmitteln. Viele Wohnverhältnisse (z.B. Häuser mit bloßem Erdboden, enges Zusammenleben mit Nutztieren) erschweren ohnehin eine angemessene Reinigung.

3. Eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung

Die WHO und das Robert-Koch-Institut empfehlen, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen, wenn Symptome wie Fieber, Husten und Atemnot sich bemerkbar machen. Menschen in extremer Armut haben oft keine Möglichkeit, zum Arzt zu gehen. Für viele ist es auch unmöglich, die Kosten für den Transport zu einem Arzt oder Krankenhaus zu zahlen. Außerdem sind die Krankenhäuser alleine mit den Corona-Fällen in der direkten Umgebung schnell überlastet oder es fehlt ihnen die Möglichkeit, konsequent auf COVID-19 zu testen.

4. Arbeitsunfähigkeit während der Quarantäne

Viele Regierungen weltweit empfehlen Arbeitnehmern, in der aktuellen Situation möglichst von ihrem Zuhause aus zu arbeiten. Für die große Mehrheit der Menschen, die in extremer Armut leben, ist es rein vom Arbeitsinhalt her unmöglich, diese Ratschläge zu befolgen. Dazu kommt, dass durch fehlende soziale Sicherungsnetze das Einkommen sofort wegbricht, wenn sie nicht arbeiten. Wird eine Ausgangssperre oder Quarantäne verordnet, können in der Landwirtschaft tätige Mütter oder Väter nicht mehr arbeiten und die (Selbst-)Versorgung ihrer Familien bricht weg. Wenn die Maßnahmen der Regierung weniger streng sind, besteht für viele Menschen zwar weiterhin die Möglichkeit, zur Arbeit gehen, allerdings sind sie dann verstärkt dem Virus ausgesetzt.

Dies schafft einen quälenden Konflikt für Eltern, die in extremer Armut leben – entweder sie riskieren eine Infektion oder sie bekommen an diesem Tag keine Nahrung für ihre Kinder.

Auf den Philippinen hört man oft diesen Satz: „Isang kahig isang tuka”. Das bedeutet „gerade so viel zu haben, dass es zum Leben reicht“. Viele Familien in Armut können nichts für morgen zurücklegen. Sie leben von einem Tag zum anderen.

Eine solche Familie ist auch die von Archie Junior auf den Philippinen. Sein Vater arbeitet auf dem Bau und verdient 24 Dollar pro Woche für seine fünfköpfige Familie. Mehr als die Hälfte davon geht in Miete und Strom. Der Rest wird für das tägliche Essen und sauberes Wasser ausgegeben. Die Familie ist nicht in der Lage, Lebensmittelvorräte anzulegen oder Geld für die Zukunft zu sparen.

Dank der Unterstützung seines Paten kann Archies älterer Bruder Unterstützung für eine chronische Krankheit sowie Schulgebühren und -material bekommen. Andernfalls wären selbst diese grundlegenden Bedürfnisse für seine Familie unerreichbar.

Bislang gibt es in Archies Dorf noch keine Ausgangssperre, wie sie weiter nördlich auf der Insel Luzon bereits verhängt wurde. Aber für Millionen von Familien auf der ganzen Welt, die buchstäblich von der Hand in den Mund leben, ist die ohnehin große Gefahr eines Einkommensverlustes durch die Folgen der Pandemie stark angestiegen. Und selbst wenn in einigen Regionen keine Ausgangssperren verhängt werden, kann der aktuelle Rückgang des Tourismus verheerende Folgen für die Familien haben.

Wie kannst du helfen?

Bete mit uns für die engagierten Gemeindepartner von Compassion, die weiterhin da sind und sich um die Bedürfnisse der mehr als 2 Millionen Kinder kümmern, denen wir dienen. Hier findest du unsere Gebetsanliegen sowie die aktuellsten Informationen darüber, wie Compassion auf COVID-19 reagiert: www.compassion.de/corona

Wenn du bereits ein oder mehrere Patenkinder unterstützt, danken wir dir für deine weitere Unterstützung. In der aktuellen Situation ist das wichtiger als je zuvor, da Familien in Armut die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie als erstes und umso stärker zu spüren bekommen.

Wenn du armen Kindern in dieser Zeit beistehen möchtest, kann deine Unterstützung ihr Leben entscheidend verändern. Familien in extremer Armut haben in Krisenzeiten keine Sicherheiten. Aber du kannst helfen, während dieser Pandemie Nahrung, Unterstützung und medizinische Versorgung bereitzustellen.

Vielen Dank für deine Bereitschaft, dich um die Schwächsten unter uns zu kümmern!

Menü